Hopfen und Malz im Sommer
Bier ist Trend. Plakate und Inserate zeigen aktuell junge Erwachsene bei guter Laune, eine Flasche Bier schwenkend. Freunde, die sich zuprosten. Die sommerliche Szene vor Schweizer Bergkulisse und See suggeriert: Bier verbindet. Auf Plakaten steht diskret der Vermerk „Alkoholfrei“. Da besteht zumindest eine Wahl. Die Werbeoffensive der Berner Oberländer Biermarke verdeutlicht: Bier ist Norm, es entspricht einem Lebensstil von Jung und Alt und im Sommer kommt keiner ums Bier herum.
Fussball-EM – ein Fest fürs Bier
Auch an der Fussball-EM 2012 war das beliebte Produkt aus Hopfen und Malz unübersehbar. Der dänische Brauereiriese war Sponsor, einer der grössten im Fussball. Der publikumsträchtige Sport stand im Mittelpunkt des Sponsorings durch den Bierkonzern. „Bier und Fussball gehören zusammen. Wir tun alles, damit das Bier das unsrige ist“, proklamiert er sinngemäss auf seiner Website. Das lässt sich kaum abstreiten!
Werbeoffensiven möglich
Alkoholwerbung, darunter Sponsoring, stärkt die Sichtbarkeit eines Produkts und fördert mit emotionalen und trendigen Inhalten eine positive Einstellung zur beworbenen Ware. Sie schafft so Konsumanreize.
Bier gehört zum Alltag. Werbung und Sponsoring sind ein Zeichen dafür. Aus Präventionssicht sind die Gesetze, welche die Werbung für vergorene Getränke wie Bier und Wein regulieren, viel zu lasch. Verboten ist zwar Alkoholwerbung, die sich gezielt an Minderjährige richtet. Gut gemeint, doch entsprechen sehr viele gesponserte Anlässe oder der in der Alkoholwerbung dargestellte Lebensstil den Jugendlichen; sie sind wie beim Fussball einfach Teil des Publikums. Übers Fernsehen rieselt die Bierwerbung in Schweizer Stuben und erreicht so Gross und Klein. Sofern Werbeeinschränkungen bestehen (ein paar wenige Kantone verbieten z.B. die Alkoholwerbung auf Plakaten im öffentlichen Raum), können diese mit Markenwerbung für die alkoholfreien Pendants umgangen werden.
Fazit: Bierproduzenten können ihre Produkte fast uneingeschränkt propagieren. Auch im neuen Alkoholgesetz (das Parlament wird über diese Gesetzesvorlage noch beraten) ist Lifestyle-Werbung für vergorene Alkoholika, die u.a. neue und junge Konsumierende beeinflussen will, weiterhin möglich. Sportlich, jung und erfolgreich ist, wer Bier trinkt und dazu gehören will, so der Tenor. Die geltenden Bestimmungen sind insgesamt zahnlos. Sucht Schweiz hat ein Verbot der Lifestyle-Werbung für sämtliche alkoholischen Getränke, also auch für Bier und Wein, wiederholt gefordert. Für Spirituosen darf schon seit langem nicht mit einem trendigen Lebensstil geworben werden. Sucht Schweiz setzt sich dafür ein, dass diese Regelung keinesfalls gelockert wird. Denn dass Werbung wirkt, darin sind sich Präventions- und Werbefachleute einig.
